Lebenshilfe für die Grafschaft gründet eine Stiftung

Vor einigen Tagen hat die Lebenshilfe für die Grafschaft zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Grund dafür war ein Mitgliederentscheid über die Gründung einer Stiftung.

„Wir brauchen eine Stiftung neben dem Verein!“ war am 25. Februar das Motto der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Lebenshilfe für die Grafschaft. Trotz der großen Herausforderungen in den letzten Jahren ist es der Lebenshilfe für die Grafschaft gelungen, wirtschaftlich zu arbeiten. Gemessen am Umsatz, an der Zahl der Mitarbeitenden sowie an der Zahl der betreuten Personen wird es jedoch auch immer schwieriger, ausreichend Mittel zu erwirtschaften, um sich zukunftsfähig aufzustellen.

Die Lebenshilfe befürchtet eine Verknappung der finanziellen Ressourcen im Sozialbereich und sucht nach neuen Wegen, um ihre Angebote zu sichern oder neu zu entwickeln. Das erklärten der Vorstandsvorsitzende Dirk de Boer und Geschäftsführer Thomas Kolde an diesem Abend. Wie bundesweit viele andere soziale Träger, befürchtet das Unternehmen Kürzungen bei den staatlichen Leistungen für Menschen mit Beeinträchtigung.

„Wir müssen damit rechnen, dass in Zukunft weniger Mittel zur Verfügung stehen als aktuell und in der Vergangenheit“, sagte de Boer. Es sei bereits sehr deutlich zu spüren, dass die Verhandlungen mit den Kostenträgern schwieriger werden, bestätigte Kolde. Eine Stiftung könne dabei helfen, bestehende Angebote zukunftssicher aufzustellen. Sie soll keine der bisher bestehenden Strukturen der Lebenshilfe ersetzen, sondern als weiteres Standbein neue finanzielle Perspektiven schaffen.

„Die Lebenshilfe hat sich in den fast 63 Jahren seit ihrer Gründung großartig entwickelt“, sagte Kolde, der sich auch zuversichtlich äußerte, dass diese positive Entwicklung nicht zu Ende sei. „Doch die finanziellen Herausforderungen sind extrem groß geworden.“ Das mache sich nicht nur durch staatliche Kürzungen bemerkbar, sondern auch beispielsweise bei den sogenannten Haussammlungen. Die Gründung einer Stiftung soll nun helfen, auch in Zukunft die notwendigen Mittel für die Arbeit der Lebenshilfe aufzubringen und das breite Angebot zu erhalten und weiter auszubauen.

Der Vorstand der Lebenshilfe beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema, hat sich rechtlich beraten lassen und bei anderen Stiftungen informiert. „Es gibt viele Menschen, die keine Kinder oder nahestehenden Menschen haben, und ihr Vermögen sinnvoll einsetzen möchten“, sagte Thomas Bastian, der als Vorstandsmitglied den Prozess ehrenamtlich begleitet. Eine Stiftung biete anders als ein Verein eine ideale rechtliche Struktur, um größere Spenden und Nachlässe langfristig wirkungsvoll einzusetzen.

Dabei könnte der Schwerpunkt der Stiftung im Bereich Wohnen liegen, denn sozialer und inklusiver Wohnraum ist knapp und die Nachfrage danach steigt.  Allein auf der Warteliste der Lebenshilfe für die Grafschaft stehen dafür aktuell mehr als 200 Menschen. Als positives Beispiel nannte Vorstandsmitglied Jutta Lübbert die „Stiftung Lebenshilfe Frankfurt“. Sie wurde 2001 gegründet und besitzt mittlerweile 29 Appartements in Frankfurt, in denen Menschen mit Beeinträchtigungen selbstbestimmt leben können.

Im Anschluss an die Informationen entschieden sich die anwesenden Mitglieder einstimmig dafür, den Vorschlag anzunehmen. Nun kann der Vorstand die weiteren Schritte gehen, eine Stiftung Lebenshilfe Grafschaft Bentheim zu gründen.